Jörg Tauss, bildungspolitischer Sprecher der SPD, hat sich im Info-Radio öffentlich für einen Praktikanten-Mindestlohn ausgesprochen und gleichzeitig die Arbeitgeberverbände aufgefordert, zu dem Thema Stellung zu beziehen. Passagen aus dem Interview:
Krahe: Sie wollen einen Mindestlohn, der muss sein, und Sie wollen Praktika zeitlich begrenzen?
Tauss: Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, dass wir auch die Wirtschaft ins Boot bekommen wollen. Was mich sehr wundert, ist, dass der Bundesverband der Deutschen Arbeitgeberverbände sonst zu jedem Thema sofort Stellung nimmt, in dieser Frage nun fast schon verdächtig auffällig schweigt. Ich denke, hier sollten die seriösen Firmen, die anständige Praktika anbieten, sich auch endlich von denen, die die Situation ausnutzen, klar distanzieren, von sich aus sagen, wir wollen ein faires Praktikum, wir machen Angebote für die jungen Menschen, die bei uns tätig sind. In meinem Büro ist es übrigens selbstverständlich, dass jemand, der ein Praktikum absolviert oder der hier in anderer Form tätig ist, auch etwas bekommt. Diese Selbstverständlichkeit gibt es in der Wirtschaft leider nicht. Und wenn es nicht freiwillig erfolgt, in der Tat, dann ist der Gesetzgeber gefragt. Ich glaube auch nicht, dass es hier noch langer Untersuchungen bedarf. Die Situation liegt klar auf der Hand, liegt auf dem Tisch sozusagen, und die Wirtschaft und die Politik sind aufgefordert, hier zu handeln.
Warum diese Forderung? Bisher ist in Deutschland weder tariflich noch gesetzlich geregelt, was Praktikant verdienen sollen. Zwar hat, wer hauptsächlich reguläre Tätigkeiten ausübt, gute Chancen, seinen Lohn einzuklagen – einen 'vorbeugenden' Schutz vor Ausbeutung gibt es aber nicht.
Deshalb ist einerseits, und das muss man an dieser Stelle auch einmal betonen, jeder Einzelne gefordert, sich für seine Rechte einzusetzen; zum anderen ist aber auch der Gesetzgeber gefordert. Wie eine gesetzliche Regelung aussehen könnte, haben die Jusos Bayern sich konkreter überlegt.
Okay, die SPD setzt sich dafür ein, schon mal super. Problem jedoch: Die CDU ist gegen Mindestlöhne, und das Bundesbildungsministerium wird von der CDU geführt. Der parlamentarische Staatssekretär im Ministerium, Andreas Storm (übrigens Stellvertreter von Roland Koch und Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Mittelhessen) will denn auch 'bisher keine Anzeichen dafür erkannt haben, dass es ein Problem im Bereich der Praktika auf breiter Front' gibt. Das Ministerium will erst eine Studie der HIS abwarten, und die wird erst im Frühjahr nächsten Jahres fertig sein.
Sehr nötig, den guten Herrn Storm schon vorher unter Druck zu setzen! Aber nicht die einzige Möglichkeit, die Situation für unsereiner zu ändern.
Denn eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft, wie ein faires Praktikum im Rahmen des Studiums aussehen muss, ist keine Utopie. Vorgemacht hats bereits der Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA). Wichtigste Eckpunkte: Einbindung in Projekte, fester Betreuer, Dauer zehn Wochen bis sechs Monate, 350 Euro Minimum im Monat. Beteiligt haben sich bis dato 51 Agenturen.
Und so etwas, liebe Freunde der Sonne, braucht der Medienbereich dringend auch! (einige von euch haben vielleicht meine Mail ans Netzwerk gelesen).
Bei ver.di warte ich dazu noch auf Rückmeldung der Entscheider, die DGB hat schon reagiert und mich nächste Woche zu einem Gespräch eingeladen, wo wir ein Treffen mit Tauss und dem BDZV sowie Vertretern des Öffentlich-Rechtlichen initieren wollen.
Wer von Euch Lust hat, an einem solchen Treffen teilzunehmen, wer mit eigenen Erfahrungen den bisherigen Missstand deutlich machen sowie mitdiskutieren möchte; also ganz generell, wer auch die Schnauze voll hat, für umme zu arbeiten und was dagegen tun möchte:
Gleich hier aufm Blog oder Mail an robin.avram@email.de
Ich bin auf euer Feedback gespannt!
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