Wahrheitsgetreu und sachlich

29.11.07 | 14:53 | christian

direkt, aus Bremen btw, siehe vor allem stigma videospiele.

via Niggemeier: Medien im Blutrausch.

 

Edit: Das youtube-Plugin will leider nicht mehr gerade. ab und an?!

Neulich...

19.11.07 | 11:09 | alena

in einem nicht bestreikten Intercity Express von Hamburg nach Berlin:

Der Zug am Freitagabend fuhr tatsächlich nach Plan um 18.08 Uhr los. Zwar dann doch auf einem anderen Gleis und vielleicht vier Minuten später, aber im weitesten Sinne püntklich. Dafür standen gefühlte tausend Menschen am Bahnsteig, die schon zwei Stunden früher den Zug nehmen wollten. Der war aber trotz Eintrag im Ersatzfahrplan nicht gekommen. Dementsprechend voll war der Zug, dementsprechend genervt schon die Stimmung.

Nach einem unvorhergesehenen Halt in Wittenberge saßen dann auch neben mir (einem eigentlich für Zugpersonal reservierten Sitz) im Gang Menschen. In Ausgehuniform der Bundeswehr, mit Bierflaschen in der Hand ("Wenn man zwei Stunden in der Kälte wartet, geht ohne Bier gar nix") und über Studenten lästernd. Einer machte fortwährend auf seine Fremdsprachenkenntnisse aufmerksam, indem er auf seine deutschen Kumpanen in reinstem Oxfordenglisch einredete. Von einer Sitznachbarin erfuhr ich, dass sie Tiermedizin studieren wolle. Ein im Gang sitzender bot ihr Bier an, woraufhin sie albern zu lachen begann. Es war noch eine Viertelstunde bis Ankunft.

Dann hielt der Zug. Die Lichter gingen aus, mein Sitznachbar seufzte und erzählte von einem Selbstmörder, der sich einmal vor den Zug geworfen habe. Der Zug hätte mehrere Stunden gestanden und es sei nur von einem "technischen Problem" die Rede gewesen. Wie an diesem Abend auch. Einige Minuten standen wir nur und rätselten, dann kam erneut eine Durchsage: Das Ding auf dem Zugdach, dass sich aus der Oberleitung Strom holt und damit den Zug zum Fahren bringt, war kaputt gegangen. (Das wurde natürlich anders gesagt, aber wie nun das Teil heißt, weiß ich schon nicht mehr.)

Um diese Zeit hatte sich mein Schwager leider schon auf den Weg zum Berliner Hauptbahnhof gemacht, um mich pünktlich um viertel vor acht abholen zu können. Nun stand am Berliner Gleis eine Verspätung von 45 Minuten, während die Zugbegleiterin offen zugab, keine Ahnung zu haben, wann uns wie geholfen werden könne. Wir standen weiter.

Zwischendurch fuhr ein ICE aus der Gegenrichtung vorbei, wurde langsamer, Menschen schauten uns neugierig und vielleicht auch ein bisschen hämisch an, und verschwand im Dunklen Richtung Hamburg. Die Jungs vom Bund mussten "mal pissen", kamen aber nicht durch die sitzende Menge, die angehende Tiermedizinerin lachte ununterbrochen. Ich versuchte zu telefonieren, aber es gab kein Netz. Ich versuchte zu lesen, konnte mich aber nicht konzentrieren. Eine Durchsage der Zugbegleitung bat uns, Strom zu sparen, damit wir genug hätten für die Klimaanlagen, die in ungleichmäßigen Abständen Luft ins Abteil pusteten. Schließlich fielen einem im Gang sitzenden Studenten (über den die Jungs vom Bund gelästert hatten) seine "Scrubs"-Folgen ein. Also ignorierten wir die Anweisung, Strom zu sparen und bereiteten uns auf einen gemütlichen Fernsehabend vor.

Fünf Folgen haben wir geschafft. Dann dockte eine Diesellock an und schleppte uns ab. Gegen zehn war ich dann in Berlin. Zwei Stunden später als geplant. Aber gut, dass unser Zug nicht bestreikt wurde...

Aus die Maus

16.11.07 | 16:04 | robin

Da kämpt man mit der Deadline seiner Diplomarbeit, in der man wissenschaftlich fundiert untersuchen möchte, ob der SPIEGEL nicht ein bißchen einseitig wirtschaftsfreundlich in den letzten 12 Monaten über Klimapolitik berichtet hat, ob es ein Zufall ist, dass er in diesem Zeitraum in Sachen Klimawandel eine publizistische Kehrtwende vollzog, überlegt sich, wie stark der Einfluss des Windmühlen-Hassers und Luxusauto-Fans Stefan Aust auf dieseForm der Berichterstattung ist, und wie man das zeigen kann - und dann das:

Freude auf den Fluren : Aust wird gegangen. Und zwar während er Urlaub macht.

Weil der SPIEGEL einen Modernisierungsschub brauche, heißt es.

Tja, und schon denkt man sich: Das wird ja doch gar nicht so schwer, das Fazit zu schreiben. Manche Taten sagen eben mehr aus als tausend Worte...

 

 

P.S: Enge Freundschaft zu Schirrmacher? Da war doch noch was ...

 

 

Huch:

15.11.07 | 21:20 | christian

Keine Party, kein Tequila.

15.11.07 | 20:53 | alena

Und Café Journal fällt dieses Semester also flach? Schade.

Wo ist der Fokus Herr Voeller!

13.11.07 | 9:56 | chris

Wenn ehemalige Bundestrainer Kolumnen, respektive Kommentare fuer Boulevardzeitungen schreiben mag man ueber die ein oder andere journalistische Schwaeche in den Texten der Fussballexperten hinweg schauen. Sind ja schliesslich Experten fuer Fussball und nicht fuer das gefluegelte Wort.

Aber das, was Rudi Voeller heute in der Hamburger Morgenpost ablaesst ist wirklich unter aller Sau. Kein Fokus, kein Sinn!

Rudi - bitte widme Dich ausschliesslich dem Fussball und verschone uns in Zukunft mit wirren Kommentaren. Das waere sehr nett. 

Verhohnepiepelung tut not

12.11.07 | 20:29 | christian

Beschämend aber wahr: Über die Vorratsdatenspeicherung gab's hier noch gar nichts. Nun, ganz vorbei ist's ja noch nicht.

Bemerkenswert ist da der Hinweis eines Users der abgeordnetenwatch-Seite von Dieter Wiefelspütz, innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, auf das Volkszählungsurteil:

"Mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung wären eine Gesellschaftsordnung und eine diese ermöglichende Rechtsordnung nicht vereinbar, in der Bürger nicht mehr wissen können, wer was wann und bei welcher Gelegenheit über sie weiß. Wer unsicher ist, ob abweichende Verhaltensweisen jederzeit notiert und als Information dauerhaft gespeichert, verwendet oder weitergegeben werden, wird versuchen, nicht durch solche Verhaltensweisen aufzufallen. […] Dies würde nicht nur die individuellen Entfaltungschancen des Einzelnen beeinträchtigen, sondern auch das Gemeinwohl, weil Selbstbestimmung eine elementare Funktionsbedingung eines auf Handlungsfähigkeit und Mitwirkungsfähigkeit seiner Bürger begründeten freiheitlichen demokratischen Gemeinwesens ist. Hieraus folgt: Freie Entfaltung der Persönlichkeit setzt unter den modernen Bedingungen der Datenverarbeitung den Schutz des Einzelnen gegen unbegrenzte Erhebung, Speicherung, Verwendung und Weitergabe seiner persönlichen Daten voraus. Dieser Schutz ist daher von dem Grundrecht des Art 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art 1 Abs. 1 GG umfaßt. Das Grundrecht gewährleistet insoweit die Befugnis des Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen."

 

Der User hält "die Argumentation 'Terrorismus' für absolut unzutreffend" und meint: "Die Angst vor Terrorismus ist heute ein gefährliches Mittel der Politik um nach belieben Grundrechte einschränken zu können, nichts weiter."

Und im gefährlichen Web 2.0 antwortet Wiefelspütz:

Sie werden hinnehmen müssen, daß der Gesetzgeber in Sachen Vorratsdatenspeicherung anderer Meinung ist als Sie. Vorratsdatenspeicherung hat mit Terrorismusbekämpfung relativ wenig zu tun. Ich wäre für die Vorratsdatenspeicherung auch dann, wenn es überhaupt keinen Terrorismus gäbe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Dieter Wiefelspütz

Komplett via Spreeblick, wo gerätselt wird, wofür die Vorratsdatenspeicherung denn dann gut ist. Blaukehlchen meint: "Er hat das sicher nur falsch verstanden und meint, dort werden Vorratsdaten gespeichert. Und Vorrat ist immer gut, falls mal was ausgeht im Modernen Zeitalter der Daten. Oder so."

 

Edit: Spreeblick landet nach fünf Stunden schon auf Platz sieben. Und heise berichtet über 26 Sozialdemokraten inklusive Andrea Nahles, die "trotz schwerwiegender politischer und verfassungsrechtlicher Bedenken" dem Gesetzentwurf auch deshalb zugestimmt haben, "weil davon auszugehen ist, dass in absehbarer Zeit eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts möglicherweise verfassungswidrige Bestandteile für unwirksam erklären wird" (pdf, S.89/90).

Edit: Keine Lust auf die Original-SPD-Erklärung? Die gibt's auch aufbereitet bei Stefan Niggemeier.

28 Seiten braunstes Braun

05.11.07 | 18:33 | christian

Vanity Fair lässt Friedman Mahler interviewen und wird damit vermutlich jede Menge Aufmerksamkeit bekommen. Jaja, in diesem Moment auch von hier, aber damit ist natürlich nicht unser Pupsblog gemeint, sondern zum Beispiel Spiegel Online. Da gibt Broder schön Gas. Obwohl das hier doch so nett war:

M.F. Also Sie verneinen, dass es so was gab. Dass Juden in deutschen Konzentrationslagern waren, verneinen Sie auch?

H.M. Nein, nein. Ich bin ja nicht blöd.

M.F. Darüber lässt sich trefflich streiten. (lacht)


Vor dem Interview steht:

"Soll man so ein Interview veröffentlichen? Hilft man damit einem Wahnsinnigen, andere anzustecken?
Nein. Neonazis hören Mahler zu, weil er ihren Irrsinn philosophisch veredelt. Er vertritt eine extreme Minderheit. Aber in Sachsen und in Mecklenburg-Vorpommern sitzt die NPD schon im Landtag. [...] Wir veröffentlichen dieses Interview, weil wir glauben, dass es eine bessere Bloßstellung der deutschen Rechtsextremen nie gegeben hat – auch wenn er Dinge sagt, die in Deutschland verboten sind: Mahler leugnet den Holocaust und benutzt den Hitler-Gruß."


Leider lässt sich diese "Ansteckungsgefahr" eben nicht so einfach wegwischen. Wir erinnern uns nur mal an die Hamburg-1-Studie, die zeigte, dass Zuschauer auch werbendste Formate für bare Münze halten können.

Schlimmstenfalls kann so ein Interview also auch für ganz andere Gedanken sorgen. Mh, der war doch Anwalt, der muss ja was auf dem Kasten haben, und, mh, der war ja mal so superlinks, der muss ja vernünftige Gründe gehabt haben, das aufzugeben, oh, dazu zählen auch Texte von, wie heißen die, Revisionisten, mal googeln demnächst, und überhaupt, der wird ja ständig unterbrochen, das ist aber echt nicht nett.

Und dann bleibt von der "Bloßstellung der deutschen Rechtsextremen" plötzlich überhaupt nichts mehr. Dann bleiben nur noch 28 Seiten braunstes Braun.

Dann doch lieber Louis Theroux, gefunden in den Niggemeier-Kommentaren.

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