Der Studiengebührenboykott in Oldenburg ist offenbar gescheitert – wie in vielen anderen Städten. Rund 1000 Studenten haben mitgemacht, Ziel waren 2500.
Letztes Wochenende traf ich mich mit einem Bekannten auf ein paar Bier. Ich unterhielt mich mit T. über unsere Zukunftspläne, unverschämte Mietpreise in Bremen und das scheinbar unvermeidbare Thema „Frauen“.
So weit, so uninteressant.
Irgendwann fragte er mich allerdings, ob ich ihm jemand empfehlen könne, der sich mit Finanzen auskenne. Seltsames Ansinnen für einen zukünftigen Studenten dachte ich mir, da für mich das Ganze nach Investmentambitionen klang. Mein verwirrter Gesichtsausdruck nötigte T. zu einer Erklärung: Es ginge ihm nicht um Geld, das er besitze, sondern im Gegenteil, Geld, das er benötige. Gerade wollte ich zu einer Predigt ansetzen, wie um alles in der Welt er kurz vor seinem Studium auf die Idee käme einen Kredit aufzunehmen, da begriff ich. Studiengebühren. T. hat sich ein Studiengang in einem Bundesland ausgesucht, in dem diese schon erhoben werden.
Studiengebühren, ein Thema, das uns Bremer Studenten wohl auch in naher Zukunft betreffen wird. Jedenfalls wenn man Herrn Dr. habil. Elmar Schreiber, seines Zeichens Rektor der Hochschule Bremen, glauben darf.
Bis zu 1.000 € pro Semester waren da im Gespräch. Verdammt viel Geld, vor allem für einen Studenten.
Doch es wird ja Hilfe versprochen. Von dem australischen HECS war die Rede. Klingt gut, hat nur leider einen Hacken: es wird Geld kosten. Und ich wage zu bezweifeln, dass die leeren Kassen in Bremen ein solches Programm hergeben. Das war vor zwei Jahren...
Aber bleibt ja noch das Argument der besseren Ausstattung. Mehr und bessere Lehrkräfte, Computer, die nicht aussehen wie eine Leihgabe des Deutschen Museums...
Super, wer könnte da wiedersprechen?
Doch leider liegen die Fakten mittlerweile etwas anders. Im Oktober letzten Jahres konnten wir dies lesen.
Ein Sparvolumen von 92 Millionen Euro bis 2010. Schlechte Aussichten für Bremens Bildungslandschaft ( …und den Wissenschaftsplan 2010, an dem Willi Lemke selbst mitgebastelt hat).
Und was bedeutet das für die Hochschule?
10 Millionen Euro betrage der Anteil, den die HS einsparen soll, erklärte uns Pressesprecher Ulrich Berlin in einem Interview. Also werden voraussichtlich Studiengänge gestrichen (Elektrotechnik an der HS ist dem Rotstift bereits zum Opfer gefallen) oder mit Uni-Studiengängen zusammengelegt.
Das bedeutet weniger Studenten, die Studiengebühren zahlen.
1.000 € pro Semester waren wohl etwas hochgegriffen. Betont doch unser Bildungssenator Willi Lemke immer wieder, dass es in Bremen keine „Insellösung“ geben dürfe (immer wieder gerne bei Forderungen gegen bremische Studiengebühren ins Feld geführt). Das gilt dann ja vermutlich auch für höhere Gebühren als z.B. in Niedersachsen.
Und so ist es gekommen, 500 € sind es geworden.
Also in Klartext: Weniger Studenten, die weniger Studiengebühren zahlen, gleichzeitig Sparmaßnahmen des Senats. Schwer zu glauben, dass dabei mehr Personal und bessere Ausrüstung für die Hochschule rausspringt.
Aber noch haben wir eine kleine Gnadenfrist, denn das Bremer Verwaltungsgericht gab am 16. August den Eilanträgen von drei Studenten gegen die Landeskinderklausel statt. Dies dürfte die Einführung von Studiengebühren zwar nicht verhindern, jedoch zumindest noch etwas aufschieben.
Zumindest verspricht er das heute, und alle können mitrocken, wenn er demnächst ins Auslandssemester nach Vancouver aufbricht:
Ich hab seit heute einen Blog, wo ich meine Erlebnisse in "Vancu" festhalten werde. Und ich sag euch: Der Blog ist/ wird der absolute Hammer! :-)
Wer dort nicht regelmäßig vorbeischaut, hat selbst Schuld. ;-)
Also, guckt mal rein. Die Addy lautet:
Gestern kam's im Radio und Fernsehen, heute in den Zeitungen und per ASta-Rundmail: Dass Studenten aus Niedersachsen nach dem zweiten Semester in Bremen Studiengebühren zahlen müssen und ihre Kommilitonen aus der Hansestadt erst nach 14 Semestern, verstößt laut einer Entscheidung des Bremer Verwaltungsgerichts gegen das Grundgesetz.
Dann kann ich ja wieder vor die Stadtmauern zu Mutti ziehen.
Anna-Lena war so nett, uns eine Liste mit aktuellen und alten Auslandssemester-Blogs zu schicken. Die Links findet ihr ab sofort rechts unter "Weltenbummler".
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der HS Bremen bloggen
- über das Studium, über Journalismus, über Bremen.
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