in einem nicht bestreikten Intercity Express von Hamburg nach Berlin:
Der Zug am Freitagabend fuhr tatsächlich nach Plan um 18.08 Uhr los. Zwar dann doch auf einem anderen Gleis und vielleicht vier Minuten später, aber im weitesten Sinne püntklich. Dafür standen gefühlte tausend Menschen am Bahnsteig, die schon zwei Stunden früher den Zug nehmen wollten. Der war aber trotz Eintrag im Ersatzfahrplan nicht gekommen. Dementsprechend voll war der Zug, dementsprechend genervt schon die Stimmung.
Nach einem unvorhergesehenen Halt in Wittenberge saßen dann auch neben mir (einem eigentlich für Zugpersonal reservierten Sitz) im Gang Menschen. In Ausgehuniform der Bundeswehr, mit Bierflaschen in der Hand ("Wenn man zwei Stunden in der Kälte wartet, geht ohne Bier gar nix") und über Studenten lästernd. Einer machte fortwährend auf seine Fremdsprachenkenntnisse aufmerksam, indem er auf seine deutschen Kumpanen in reinstem Oxfordenglisch einredete. Von einer Sitznachbarin erfuhr ich, dass sie Tiermedizin studieren wolle. Ein im Gang sitzender bot ihr Bier an, woraufhin sie albern zu lachen begann. Es war noch eine Viertelstunde bis Ankunft.
Dann hielt der Zug. Die Lichter gingen aus, mein Sitznachbar seufzte und erzählte von einem Selbstmörder, der sich einmal vor den Zug geworfen habe. Der Zug hätte mehrere Stunden gestanden und es sei nur von einem "technischen Problem" die Rede gewesen. Wie an diesem Abend auch. Einige Minuten standen wir nur und rätselten, dann kam erneut eine Durchsage: Das Ding auf dem Zugdach, dass sich aus der Oberleitung Strom holt und damit den Zug zum Fahren bringt, war kaputt gegangen. (Das wurde natürlich anders gesagt, aber wie nun das Teil heißt, weiß ich schon nicht mehr.)
Um diese Zeit hatte sich mein Schwager leider schon auf den Weg zum Berliner Hauptbahnhof gemacht, um mich pünktlich um viertel vor acht abholen zu können. Nun stand am Berliner Gleis eine Verspätung von 45 Minuten, während die Zugbegleiterin offen zugab, keine Ahnung zu haben, wann uns wie geholfen werden könne. Wir standen weiter.
Zwischendurch fuhr ein ICE aus der Gegenrichtung vorbei, wurde langsamer, Menschen schauten uns neugierig und vielleicht auch ein bisschen hämisch an, und verschwand im Dunklen Richtung Hamburg. Die Jungs vom Bund mussten "mal pissen", kamen aber nicht durch die sitzende Menge, die angehende Tiermedizinerin lachte ununterbrochen. Ich versuchte zu telefonieren, aber es gab kein Netz. Ich versuchte zu lesen, konnte mich aber nicht konzentrieren. Eine Durchsage der Zugbegleitung bat uns, Strom zu sparen, damit wir genug hätten für die Klimaanlagen, die in ungleichmäßigen Abständen Luft ins Abteil pusteten. Schließlich fielen einem im Gang sitzenden Studenten (über den die Jungs vom Bund gelästert hatten) seine "Scrubs"-Folgen ein. Also ignorierten wir die Anweisung, Strom zu sparen und bereiteten uns auf einen gemütlichen Fernsehabend vor.
Fünf Folgen haben wir geschafft. Dann dockte eine Diesellock an und schleppte uns ab. Gegen zehn war ich dann in Berlin. Zwei Stunden später als geplant. Aber gut, dass unser Zug nicht bestreikt wurde...
...in der Regionalbahn:
"Das Ticket müssen Sie aber entwerten! Das steht doch klipp und klar drauf!"
"Und wo hätte ich das machen müssen?"
"Na, am Entwerter!"
Natürlich.
Übernimmst du das Schützenfest?
Hm, soll ich mir nicht lieber einen rostigen Nagel ins Augen rammen?
Ich gebe es zu:
Neben mir sitzen ist anstregend. Die Gründe hierfür mögen diese sein: Ich bin unruhig, konzentriere mich nicht auf die Vorlesung, versuche in Gespräche zu verwickeln, lenke damit vom eigentlich Geschehen ab. Vielleicht mag der ein oder andere noch den ein oder anderen Grund mehr dafür finden, nicht neben mir sitzen zu wollen. Aber: Es gibt mit Sicherheit einen Grund der nicht als Argumentation greift. Körpergeruch. Täuscht mich meine eigene Nase nicht, ist mein Körpergeruch zumutbar.
Das als Einleitung.
Vor nicht gar nicht langer Zeit war letzt genanntes Argument leider obsolet. Denn - in meiner Gegenwart stank es. Mit jedem Tag wuchs die Gewissheit. Die Quelle des unangenehmen Gestanks war - ich. Schnell fand ich wiederum die Quelle des Gestanks heraus. Mein Rucksack war es. Aber was genau? Ich vermutete - und das ist wirklich wahr - das ich eine Rosine, überzogen mit Joghurt, in meinem Rucksack vergessen hatte. Und jedes Milchprodukt fängt nach gewisser Zeit an zu müffeln. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Mitnichten! Der Rucksack stank weiter - auch nach einer Nacht auf dem Balkon. Der Rucksack stank weiter - auch nach einer ausführlichen Parfümdusche.
Das als Hauptteil.
Nach vergeblichen Geruchsbeseitigungsversuchen stieß ich auf dank Kommissar Zufall auf die Geruchsquelle. In einer Seitentasche steckten drei gefärbte und hartgekochte Eier. Das Osterfest verbrachten mein Rucksack und ich in Hamburg. Der Osterhase schenkte uns Beiden drei gefärbte und hartgekochte Eier. Außerdem beschenkte mich der Osterhase mit ganz viel Vergesslichkeit. Denn zwischen Geschenk des Osterhasen und Widerentdeckung seines Geschenks lagen fast vier Wochen.
Das als Schluß.
Nun, die Eier sind fachgerecht entsorgt und damit der Geruch. Jetzt bleibt der Platz neben mir also wieder aus den üblichen Gründen frei.
...in der Straßenbahn:
Eine junge Frau (ich nenne sie Babysitterin) und eine etwa Zweijährige sitzen in der Bahn.
Babysitterin: Dunja, nein.
Dunja versucht, über die Rückenlehne zum anderen Sitz klettern.
Babysitterin: Dunja, das darfst du nicht.
Sie zieht Dunja vom Sitz runter. Dunja schreit.
Babysitterin: Nein, Dunja.
Dunja klettert über die Rückenlehne und setzt sich.
Babysitterin: Dunja, nein.
Eine alte Frau vom Nebensitz schaltet sich ein.
Die alte Frau zeigt nach vorne: Da, der Fahrer wird schimpfen.
Babysitterin: Ja, Dunja, das darfst du nicht.
Dunja schreit.
Die alte Frau lacht hilflos: Ja, Kinder...
Babysitterin: Ja, die haben kein Benehmen mehr, das glaube ich wirklich.
Hinter ihr klettert Dunja wieder auf den Sitzen rum.
Babysitterin: Die macht alles, was sie will. Ich war früher nicht so.
Die alte Frau lacht höflich.
Babysitterin: Aber was kann man machen? Schlagen darf man sie ja auch nicht, das ist ja auch schlecht.
Die alte Frau: Nee, hauen geht auch nicht.
Beide seufzen. Dunja klettert vom Sitz, die Babysitterin steigt mit ihr aus.
Und die Moral von der Geschicht: Kinder werden immer frecher und allen gehört eine Tracht Prügel verpasst.
...unterhielten sich in der Cafeteria zwei Herren über die letzte Vollversammlung:
[...]
"Ja, aber der Jahr war nicht da."
"Nein?"
"Nee, hab ich da in diesem Journalistenforum gelesen."
[...]
Forum, Blog, eh alles Internet - blueprint wird wahrgenommen.
Neulich war ich auf einer „Housewarming Party“. Eigentlich eher unfreiwillig, ein Kumpel (im nachfolgenden J. genannt) war in der Bremen und hatte mich unter dem Hinweis mitgeschleift, er wäre nur einen Tag in der Stadt und ein gemeinsamer Bekannter (im nachfolgenden R. genannt) wäre auch da.
Also stand ich zwischen fremden Menschen in einer fremden Wohnung. J. war nach 20 Minuten verschwunden, es gab nur das schlechtere der großen Bremer Biere, und ich begann zu bereuen überhaupt vom Sofa aufgestanden zu sein. Die anderen Gäste (Büro/Versicherungs- und was-weiß-ich-noch-Kaufleute) vermochten meine Stimmung auch nicht zu heben. Es sah nach einem langen Abend für mich aus, denn die erste Bahn fuhr erst wieder um 4:30 Uhr (vielen Dank an die BSAG an dieser Stelle).
Aber der Lichtblick folgte kurz darauf. Genauer gesagt, sie kam durch die Küchentür.
Und sprach mich an, noch bevor ich den Mund aufmachen konnte. Nach anderthalb Stunden war klar: sie steht auf Ska, Simpsons und Kickern (JACKPOT!!!) Also fragte ich ob sie die Party auch so lahm fände und ob wir nicht irgendwo ne Runde kickern wollen…
(OK, ich gebe zu, nicht sehr kreativ)
Sie lachte: „Klar, aber lass uns heimlich gehen, ich bin die Gastgeberin“ Ich hätte mich gerne hinter mir selbst versteckt, aber es kam noch besser.
In diesem Augenblick kam R. in die Küche: “Ah, ich wollte dir eigentlich meine Frau vorstellen, aber ich sehe du hast sie schon kennen gelernt“
Da mir der Parkettboden nicht den Gefallen tat mich zu verschlucken, habe ich mich dann schnell verabschiedet… und bin zu Fuß gegangen.
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